Bildung gegen Armut: Der Weg in eine besser Zukunft

Schritt 1: Der Kinderhort

Die Jungen und Mädchen, die Franklin aufnimmt, haben in ihren ersten zwei bis vier Lebensjahren oft mehr Gewalt und Angst erlebt als viele von uns in ihrem ganzen Leben. Und auch wenn sie dankbar für die einmalige Chance sind, so ist es für viele nicht einfach sich in den geordneten Tagesablauf und die friedliche Gemeinschaft der Pilar Fathers einzufinden.

In den verschiedenen Kinderhorten des Ordens lernen die 2- bis 3-Jährigen, was es heißt, freundlich mit anderen Menschen umzugehen, wie man Konflikte gewaltfrei löst und welche Werte und Regeln hier gelten. Regelmäßiges Waschen, Zähneputzen und grundlegende Körperhygiene werden vermittelt. Die Kinderhorte sind gleichzeitig Hostels, in denen die aufgenommenen Kinder auch essen und schlafen. Erst wenn die Kinder nach 6 bis 12 Monaten soweit sozialisiert wurden, dass sie sich gut in eine Gruppe eingliedern können, sind sie bereit für den Kindergarten.

Schritt 2: Der Kindergarten

Nicht nur Körperhygiene und ein gewaltfreies Miteinander sind vielen Kindern vollkommen fremd, auch Spielen, Singen, Tanzen und Lachen müssen von Grund auf neu erlernt werden. Im Kindergarten erfahren die Jungen und Mädchen, was es heißt, ein Kind zu sein. Sie finden Freunde, festigen ihre Gruppenzugehörigkeit und entwickeln sich zu glücklichen, angstfreien Kindern.

Bis zum Alter von 6 Jahren lernen sie ein gutes Sozialverhalten und werden durch Malen, Singen und Spielen auf die Schule vorbereitet. Wie schon im Kinderhort erhalten alle Kinder zudem eine regelmäßige Mahlzeit am Tag, gesundes Trinkwasser und einen sicheren Platz zum Schlafen. Im Unterschied zu den Kinderhorten sind die Kindergärten (Balwadis) der Pilar Fathers auch für Kinder geöffnet, die am Abend zu ihren Eltern in die Slums zurückkehren.

Schritt 3: Die Grundschule

Ab einem Alter von 6 Jahren wechseln die Jungen und Mädchen zur Grundschule. Hier erhalten sie zum ersten Mal ihre Schuluniformen und lernen Lesen, Schreiben und Rechnen. In dieser Zeit leben die Jungen und Mädchen in ihren jeweiligen Hostels und gehen tagsüber in die Schule, die auch von externen Kindern besucht wird. Diese Mischung von Waisenkindern in der Obhut der Pilar Fathers mit anderen Kindern aus unterschiedlichsten Schichten ist wichtig, um ein gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Ebenso wie Kinderhort und Kindergarten wird die Schule von den Pilar Fathers unterhalten und durch Spenden finanziert. Dennoch ist sie staatlich anerkannt und ermöglicht den Kindern einen Abschluss nach vier Jahren. Je nach der persönlichen Situation und den Lernerfolgen können alle Kinder anschließend die höhere Sekundarstufe besuchen. In der Regel nehmen alle Kinder Franklins diese Chance wahr und wechseln zur weiterführenden Schule.

Schritt 4: Die weiterführende Schule

Der Besuch einer weiterführenden Schule ist gerade für untere Schichten in Indien längst keine Selbstverständlichkeit. Um möglichst vielen Kindern diese kostbare Chance zu bieten, gründeten die Pilar Fathers vor vielen Jahren die Prakash Vidhyalaya Higher Secondary School. Mit deutschen Spendengeldern wurde ein weitläufiges Schulgebäude errichtet, in dem rund 1.200 Mädchen und Jungen von der 5. bis zur 12. Klasse unterrichtet werden.

Das Schulgelände umfasst gigantische 60 Hektar und bietet Platz für viele weitere Einrichtungen, die im Laufe der Jahre hinzukamen. So befinden sich hier auch das Jungen- und das Mädchen-Hostel, in denen die aufgenommenen Waisenkinder leben. Auch die 2015 von der IndienHilfe Deutschland e.V. errichtete Nähschule sowie die Imkerei und die neue Büffelfarm haben hier ihren Platz gefunden.

Die Schule ist ebenfalls „gemischt“ konzipiert, so dass hier einerseits die Kinder aus den Hostels, aber auch Kinder der umliegenden Familien unterrichtet werden. Die staatlich anerkannte Schule endet mit dem Abitur, das zum Studium an einer Universität oder Hochschule befähigt. Jedes Jahr erreichen ca. 40 Jugendliche diesen Schulabschluss, der gerade auch wegen der christlichen Trägerschaft hoch angesehen ist.

Schritt 5: Die Berufsausbildung

Dank deutscher Spender und der christlichen Nächstenliebe der Pilar Fathers haben die ehemaligen Straßen- und Waisenkinder einen Lebensweg genommen, der alles verändert. Statt in Steinbrüchen, Kellerwerkstätten oder ausländischen Nähereien ausgebeutet zu werden, haben sie 12 Jahre Schulbildung genossen. Ein absolutes Privileg, das gute Berufschancen eröffnet und fast schon sicher aus der Armut führt.

Doch leider zählt in vielen Teilen Indiens nach wie vor der soziale Status mehr als Talent, Fleiß und Wissen. Aus diesem Grund haben es viele Schulabgänger schwer, eine geeignete Ausbildungsstelle zu finden. Der Besuch weiterer Berufsschulen kostet Geld, der Großteil lernt „on-the-job“ und ist ohne Zeugnisse oder Arbeitsverträge dem jeweiligen Vorgesetzen vollkommen ausgesetzt.

Aus diesem Grund unterhält die IndienHilfe Deutschland e.V. zahlreiche Ausbildungsprojekte und ermöglicht den jeweils besten Schulabgängern Ausbildungen als Krankenschwester, im technischen Bereich oder auch als Student an der Hochschule in Bhopal. Die Erfolge sprechen für sich und wer heute vielleicht als Diploma Engineer Trainer bei internationalen Firmen arbeitet, hat noch vor wenigen Jahren ohne Hoffnung auf der Straße gelebt. Den deutschen Spendern verdanken diese Menschen nicht weniger als ihr Leben!

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Nur 5,- € kostet die Menge Reis, die nötig ist, um ein Kind in Indien einen Monat lang zu Ernähren.